Flugzeugmodell in Originalgröße

3. März 2019

Begehen, erleben, staunen. So etwas hat die Luftfahrtindustrie bei ihren prunkvollen Messen und Airshows noch nicht gesehen: das Modell eines Flugzeuges in Originalgröße – jedenfalls was die vorderen 22 Meter betrifft. Business, Economy und First Class, dazu das Cockpit, eine einsatzfähige Küche und ein Toilettenraum – alles im Endformat. Wenn ein Modellbauer auf seinem Gelände einen Hangar errichtet, dann muss er Großes vorhaben. So wie Anfang 2018 die Robert Hofmann GmbH in Lichtenfels/Deutschland. Ein Mock-up der neuen CR929 von CRAIC sollte entstehen. Und zwar im Maßstab 1:1. Ob die Spezialisten aus dem nördlichen Bayern das hinbekommen würden, hatte Bloecker Aircraft Interior Design & Engineering GmbH angefragt. Hofmann schreibt sich „Die Möglichmacher“ auf die Fahnen. Das sollte als Antwort reichen. Das Unternehmen fertigt üblicherweise kleinere Baugruppen: Flugzeug-, Kfz- und andere Komponenten als Prototypen oder in Kleinserie. Meistens passen die Teile in den Lieferwagen. Aber jetzt sollte es ein 22 Meter langer und 80 Tonnen schwerer Körper sein. Portabel, begehbar, ein echtes Highlight für die Airshows dieser Welt.

15.000 Teile: Puzzle für Große

„Natürlich hatten wir mächtig Respekt vor der Aufgabe“, erinnert sich Ingo Güttler von Hofmann. Er und sein Kollege Christian Lurz haben das Projekt geleitet. Dieser ergänzt: „Rumpf, Grundgestell, Apron und Treppen stammen von uns. Das Interieur haben andere Lieferanten beigesteuert.“ In dem ca. 1000 Quadratmeter großen Hangar direkt hinter der Produktion wurde alles für die Kundenfreigabe aufgebaut. „15.000 Einzelteile haben wir mit unseren Maschinen gefertigt und zusammengesetzt“, sagt Güttler: „Ein Puzzle für Große.“ Der gut bestückte Hofmann-Maschinenpark war von März bis August 2018 rund um die Uhr ausgelastet. Für die CR929 wurden Bauteile aus Kohlefasern, mineralisch-organische Verbundwerkstoffe sowie Stahl und Aluminium gefertigt. Das Unternehmen zählt weltweit zu den leistungsfähigsten Rapid-Prototyping-Anbietern. Mit eigenen 3D-Druckern für unterschiedliche Verfahren fertigt es unter anderem Exponate aus Kunststoff und Metall.

20 Standard-Seecontainer

Das Ganze war nicht nur eine konstruktive und technische, sondern zusätzlich eine logistische Herausforderung. Das Mock-up wurde so gebaut, dass man es fein zerlegt auch per Seefracht befördern kann. Und zwar in 20-Fuß-Standardcontainern. Das sind die kleinen, mit einer Länge von gerade mal sechs Metern. Diese Vorgabe begrenzte das Format der einzelnen Rumpfsegmente, von denen es insgesamt 20 Stück gibt.

Erster Auftritt bei Zhuhai Airshow 2018

Seine erste Reise zur Zhuhai Airshow im November 2018 trat das Mock-up allerdings per Luftfracht an: Mit dem Lkw ging es von Lichtenfels nach Amsterdam und dann mit zwei Cargo-Fliegern nach China. Es folgten drei Wochen Aufbau mit 15 Monteuren. Und nach der Messe alles zurück in die Transportbehälter. Die alte Studentenweisheit zum Auf- und Abbau von Möbeln, wonach dreimal umgezogen so gut wie einmal abgebrannt ist, gilt für das spektakuläre Ausstellungsstück nicht. Die Konstruktion ist so angelegt, dass das Modell zwanzigmal den Transport, die Montage sowie die nicht zu unterschätzenden Strapazen der Ausstellung aushält: Bei der einwöchigen Zhuhai Airshow flanierten täglich ca. 650 Personen durch das Modell. Das muss man erstmal wegstecken.

Der Aufwand lohnt sich. Denn er ermöglicht ein überzeugendes Gesamterlebnis bei der Airshow. „Singuläre Baugruppen gewähren gute Einblicke in die Details“, weiß Lurz. „Aber mit dem lebensgroßen Modell präsentiert CRAIC das Zusammenwirken der Komponenten.“ Der kaufinteressierte Messebesucher muss das Flugzeug nicht in seinem Kopf gedanklich zusammensetzen. Stattdessen nimmt er es real in Augenschein. Er betritt die Maschine so, wie seine Fluggäste es später auch tun werden. Das ist ein grandioses Erlebnis. Die ersten CR929 will CRAIC im Jahr 2027 ausliefern.